„Verstehst du die Sprache der Schule?“ Ein Projekt zur Entwicklung von Lehrmaterialien für die Förderung des Bulgarischen als Zweitsprache in der Grundschule

Projekt Verstehst du die Schule?

Warum dieses Projekt
20 000 Schüler haben im Schuljahr 2016/2017 in Bulgarien vorzeitig die Schule abgebrochen. Dabei gehören Roma-Kinder zu der größten Risikogruppe. In 55 % der Roma-Familien wird eine andere Sprache als Bulgarisch gesprochen und viele der Roma-Kinder beginnen erst im Kindergarten im Alter von 5 Jahren Bulgarisch zu lernen. Aufgrund dessen sind sie beim Eintritt in die Schule äußerst benachteiligt und der Erwerb des Bulgarischen muss zusätzlich gefördert werden. Die Beherrschung der bulgarischen Sprache ist eine Grundvoraussetzung für den Schulerfolg und die soziale Integration von Kindern. Derzeit fehlt es in Bulgarien an Lehrmaterialien für Bulgarisch als Zweitsprache und zur unterrichtsintegrierten Sprachförderung von mehrsprachigen Kindern.

Ziele des Projekts
Unser Ziel ist es, dass die Kinder, deren Muttersprache nicht Bulgarisch ist, von der Vorschule bis zum Ende der Grundschule durchgehend eine effektive, systematische Sprachförderung mit spezialisierten Lehrmaterialien bekommen.

Für die Vorschule und die erste Klasse gibt es bereits Materialien „Bulgarisch mit Drako und Mimi für mehrsprachige Kinder“ , die speziell für die Kinder entwickelt wurden, die Bulgarisch als Zweitsprache erlernen. Ein Teil des Teams, das an dieser Förderkonzeption gearbeitet hatte, tat sich wieder zusammen, um in unserem aktuellen Projekt Lehrmaterialien für die nächsten Altersstufen zu entwickeln. Diese Fördermaterialien sollen einerseits linguistisch fundiert und andererseits altersgerecht, motivierend und spannend sein, damit die Kinder Freude an der bulgarischen Sprache haben und den Wunsch verspüren, auf Bulgarisch zu kommunizieren und neues Wissen zu erlernen. Auf diese Weise wollen wir unseren Beitrag zur erfolgreichen Integration der Kinder mit Bulgarisch als Zweitsprache in das bulgarische Bildungssystem und darüber hinaus in die bulgarische Gesellschaft leisten.

Über unseren Projektpartner
Teach For Bulgaria engagiert sich dafür, dass jedes Kind in Bulgarien Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung hat – unabhängig davon, wo es lebt, welche Schule es besucht und wie die finanziellen Möglichkeiten der Familie sind. Die Organisation sucht und bildet fähige und motivierte Fachleute mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund aus, die bereit sind, sich für die Verbesserung der Bildung im Land einzusetzen. Das Ziel der Organisation ist es, dass die Teilnehmer des Programms sich langfristig für eine qualitativ hochwertige Bildung für jedes Kind in Bulgarien einsetzen. Teach For Bulgaria wurde auf Initiative und mit großzügiger finanzieller Unterstützung der America for Bulgaria Foundation gegründet und ist Teil des internationalen Netzwerks Teach For All, das in 50 Ländern auf sechs Kontinenten erfolgreich arbeitet.
Fast in allen Regionen, in denen Teach for Bulgaria tätig ist, unterrichten Teilnehmer des Programms auch Kinder, deren Muttersprache nicht Bulgarisch ist. Diese Lehrer erkennen einen großen Bedarf an einer systematischen, spezialisierten Sprachförderung ihrer Schüler und der dafür erforderlichen Weiterbildung der Lehrkräfte.

Unsere Arbeit
Als erstes wird ein sprachdiagnostisches Verfahren für die Kinder im Grundschulalter entwickelt, die Bulgarisch als Zweitsprache erlernen, um ihren Förderbedarf zu erheben. Mit den entwickelten diagnostischen Instrumenten wird ein Sprachscreening durchgeführt, um Förderbereiche und die Progression des Lernstoffs festzulegen.

Danach werden Fördermaterialien für die Grundschule sukzessiv erarbeitet, in den Partnerschulen von Teach for Bulgaria erprobt und nach der Erprobungsphase verbessert und finalisiert. In unserer Arbeit richten wir uns an die Erkenntnisse der modernen Psycholinguistik, Didaktik und der Zweitsprachenerwerbsforschung. Wir adoptieren internationale Best Practices im Bildungsbereich für das bulgarische Bildungssystem und arbeiten dabei eng mit Lehrern zusammen, um die Effektivität der Förderkonzeption zu gewährleisten.

Wie wird das Projekt finanziert
Mehr als 200 Personen haben an unserer Global Giving-Spendenaktion teilgenommen und so wurden in nur sechs Monaten über 52.000 Euro gesammelt. Somit wurde unser Ziel, die Summe von 50 000 Euro zu erreichen, sogar übertroffen. Die European Bank for Reconstruction and Development in London (über ihre Community Initiative) unterstützte ihrerseits das Projekt und verdoppelte die 50.000 Euro, die die privaten Spender im Rahmen dieser Kampagne gesammelt hatten.

Wir danken noch einmal Allen, die dieses Projekt möglich gemacht haben!